St. Maximin, Trier

Von deutscher Seele

Kantate von Hans Pfitzner auf Texte von Joseph Eichendorff

Die Kantate op. 28, für vier Solisten, Chor und Orchester (komponiert 1920/21; UA 1922 in Berlin) ist eines der großen deutschen symphonischen Chorwerke und steht in der Tradition der Oratorien des 19. Jahrhunderts. Die sprachlich oft stark verknappten, manchmal rätselhaften „Sprüche“ Eichendorffs enthalten Lebensweisheiten oder einen moralisch-religiösen Appell; manche sind in witzige, kuriose Reime gefasst, versprühen einen übermütigen, bis ins Absurde gehenden Humor, der später eine Wendung ins Besinnliche, Tiefsinnige nimmt. Insgesamt entfaltet die Kantate „ein kontrastreiches und vielfarbiges Panorama menschlichen Lebens in seinem Verwoben-Sein mit der Natur, seinen schicksalhaften Gegebenheiten, seinen metaphysischen Ahnungen einer unsichtbaren Welt hinter den Dingen“ (R. Seebohm).

Die Musik ist von großer Ausdrucksvielfalt und stellt die Ausführenden vor mannigfache Aufgaben. Die Chorsätze verlangen von den Sängern einerseits monumentale Klangentfaltung (Schlusschor Wenn die Wogen unten toben), andererseits auch schnelles, federndes Parlando (Wohl vor lauter Singen, Singen). Sehr anspruchsvoll sind die Solopartien, die in der Aufführung mit hervorragenden Solisten besetzt sind, z.B. Franz-Josef Selig als Bass. Für den brillanten symphonischen Part konnte mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz eines der führenden Orchester der Region verpflichtet werden.

Der Titel Von deutscher Seele ist heute dem Verdacht ausgesetzt, dass sich dahinter ein nationalistisches Programm verbirgt. Das aber ist nicht der Fall. Pfitzners musikalische Werke sind frei von politischen Botschaften und enthalten, anders als seine Schriften, weder antisemitisches noch nationalsozialistisches Gedankengut. Zu dem Titel wurde Pfitzner durch eine Sammlung von Volksliedern angeregt, die der deutsch-jüdische Dichter Ludwig Jacobowski im Jahre 1900 unter dem Titel „Aus deutscher Seele“ herausgegeben hatte. Pfitzner war mit Jacobowski befreundet und hat auch Texte von ihm vertont.

Er steht in einer Reihe mit anderen Komponisten wie Richard Strauss oder Carl Orff, die einen Teil ihres Lebens im nationalsozialistischen Deutschland verbracht haben.

Für die Wirkung des Stückes gibt es einen prominenten Kronzeugen: Albert Schweitzer bezeichnete seinerzeit die Eichendorff-Kantate nach einer Aufführung begeistert als „eines meiner größten geistigen und musikalischen Erlebnisse“.

 

Solisten:

  • Susanne Bernhard, Sopran
  • Marion Eckstein, Alt
  • Andreas Post, Tenor
  • Franz-Josef Selig, Bass

Es musizieren:

  • Trierer Konzertchor
  • Staatsphilharmonie Rheinland- Pfalz, Ludwigshafen
  • Wolfram Koloseus, Orgel
  • Jochen Schaaf, Leitung